Ein Sommertag

In der Zeitung haben wir gelesen, dass seit 26 Jahren eine Schäferin aus dem bayrischen Franken rund um das 2 Dörfer weiter gelegene Albechts, also hier im thüringer Franken weidet. 1000 Mutterschafe sind das. Gesehen haben wir die Herde schon oft. Wir beschliessen die Schafe zu suchen und ein Shooting mit ihnen zu veranstalten.

Viele Wiesen haben wir besucht. Nirgends Schafe. Dann geben wir auf, setzen uns eine gefühlte Stunde auf die Bank am Wald, schauen übers Tal und – ganz da hinten – kommt uns doch tatsächlich die Herde ins Blickfeld gelaufen.

Aber jetzt ist es zu warm geworden. Die Badesachen sind im Auto, das Freibad in Benshausen nur 5 Minuten entfernt. Ein wunderbares Bad. 2,5 Mio € hat es wohl mal gekostet. „Heute würden wir das nicht mehr genehmigt bekommen.“, erzählt uns ein Einheimischer. Idyllisch liegt es. Aus Brunnenwasser wird es gespeist. Wenn es kälter ist sorgt die Solaranlage für herrlich warmes Wasser. Es ist wirklich schön hier.

Schwarzbeerfest im Vessertal

Traditionell sammeln alle Frauen (nur die Fauen?) an einem Wochentag alle Schwarzbeeren des Vessertals (und das sind unvorstellbar viele), um damit hauptsächlich Kuchen zu backen und diesen dann zum Schwarzbeerfest zu verkaufen. Der genaue Termin wird in allen Tages- und Wochenzeitungen bekannt gegeben. (Die ebenso angebotenen Schwarzbeer-Weine und -Liköre können nur aus dem Vorjahr stammen.)

Die ersten 30? Kuchenbleche werden, wie auf dem Traumschiff das flambierte Dessert, „herein“getragen. Die Frauen kommen aus dem Offenstall, tragen hübsche Trachten und schmücken sich zusätzlich mit einer Art weißer Bäckerschürze. Sieht toll aus. Ich bin so beeindruckt, dass ich vergesse dies im Foto festzuhalten.

Wir haben gefragt wie viel Kuchen gebacken wird. „Eine dreistellige Anzahl, mehr wird nicht verraten.“, schmunzelt einer der Bäcker. Klug durchdacht. Alle 2 Meter, also hinter jedem Blech, steht dann Frau oder Mann und verkauft mit Kaffee zu unvorstellbar niedrigen Preisen die drei Sorten Blaubeerkuchen. Lecker!

Dann spielt natürlich die Blasmusik, Verkaufsstände bieten Regionales und das Vessertal strahlt im Sonnenschein seine so einmalige Ruhe aus, trotz des Trubels.

Frühlingserwachen an der Talsperre Schönbrunn

Die Frühlingssonne zieht uns raus, raus in die Natur. Eine kleine Wanderung wollen wir über den Tag strecken. Einmal rund um die Talsperre Schönbrunn. Geschätzte acht Kilometer. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Wir wollen uns Zeit lassen.

Die Talsperre Schönbrunn ist eine Trinkwassertalsperre. Baden darf man nicht. Die Talsperre versorgt wohl 280.000 Südthüringer. Sie liegt idyllisch mitten im Wald, umgeben von Mischwald, wie 88% der Region.

Der Weg führt auf der Höhe um die Talsperre. Wir laufen im Schatten der Bäume, schauen durch diese hinunter zum Wasser. Hier und da stehen Bänke bereit für den Wanderer. Man ist eingeladen zu pausieren. Schmetterlinge umflattern uns. Wir schauen dem kleinen Wellenspiel zu, werden ganz ruhig. Weiter den Sandweg auch in sonnigen Abschnitten. Für den Talsperrenblick wurden einige baumfreie Schneisen angelegt. Dahinter, noch etwas höher im Berg, Bänke für die Rast. Alles ist so friedlich. Hier ist der Wanderer willkommen. Ein herrliche Blick über die Talsperre überall.

Dann führt der Weg zum Wasser hinab, über eine Brücke zur anderen Seite. Wir legen uns in die sonnengelbe Wiese, riechen den Frühling.  Wir glauben bereits die acht Kilometer gelaufen zu sein, doch der Weg scheint noch weit. Ein Förster fährt an uns vorbei, freut sich über uns. Später sehen wir 2 Autos, Beamtenfahrzeuge. Ach guck, und geangelt wird. War das hier nicht verboten? Uns egal. Wir gehen vorbei, nutzen die nächste Bank und beobachten Waldameisen. Fleißig sind sie. Der Weg führt weiter zum Talsperrenzulauf. Wie klar das Wasser plätschert.

Ein Wegweiser zeigt nach Hinternah, Frauenwald, Schönbrunn und weist unseren Rundweg als Radweg aus. Gefühlt haben wir bereits viel mehr als acht Kilometer zurück gelegt. Später lesen wir, dass der kleine Rundweg 20 Kilometer Wanderglück lang ist.
Ein Tausendfüsler begegnet uns. Und wieder so ein wunderbarer Blick übers Wasser. An den Hängen zeigt sich plötzlich eine grüne Schicht auf dem schwarzen Schieferstein. Feucht ist es. Und dann ist da ein Wasserfall, mannsgroß.

Als wir mit den Schwestern vor ein paar Jahren mit der Pferdekutsche einen Ausflug zur Talsperre Schönbrunn unternahmen, erzählte uns ein Einheimischer,  dass die Hänge rutschen. Überall sind Messpunkte aufgebaut. Und was ist das für ein Bunkereingang? Elektronisch gesichert. Vom Weg her nicht zu sehen. Unsere Argusaugen hatten das von der anderen Seite gesichtet. Nirgends ein Hinweis oder eine Info.  Na dann eben einfach den schönen Platz wirken lassen.
An der Staumauer angekommen lesen wir: Erbaut vom VEB Spezialkombinat Wasserbau, Kombinatsbetrieb Talsperrenbau Weimar, Oberbauleitungsbereich Suhl, 1967 – 1975. Aha. Wir müssen lachen. Es gibt noch einige bleibende Vergangenheitsbeweise.

Auf der Staumauer drehen wir dem Wasser einmal den Rücken zu und erstarren fast vor dieser überwältigenden Schönheit.
Thüringen ist doch der schönste Platz auf Erden. Das hat der Tag wieder einmal bewiesen. Und ich freue mich, wieder einmal, diesen schönsten aller Flecken zu meinem zu Hause erwählt zu  haben.