Bamberg

Ein sonniger Tag ist angekündigt, wir haben frei und beschließen kurzentschlossen die Stadt Bamberg zu besuchen. Die Altstadt von Bamberg ist seit 1993 Weltkulturerbe.

Wir beginnen mit einer Schiffsrundfahrt und suchen die Abfahrtstelle. Laut Internet startet die Rundfahrt „Am Kranen“. Als wir ankommen müssen wir erst einmal kräftig lachen. Typisch fränkischer Dialekt. 2 Kräne stehen hier. 1 Kran, 2 Kranen. 😉

Im Mittelalter war hier der Hafen, wurde mit Fleisch, Fischen und anderen Gütern gehandelt. Das älteste Schlachthaus steht noch. Ein Ochse ziert die Fassade. Auch typisch für Franken.

Gemütliche ca. 80 Personen passen auf das Sonnendeck. Der Käptn persönlich nimmt die Tickets entgegen. Ein Meter zuvor hatte seine Frau uns diese verkauft und unter Deck bietet der Sohn frische Getränke. Das Deck ist bereits voll. Durchschnittsalter 65? Egal, die Ladies, zu denen wir uns setzen sind gut drauf. Wo wir wohl lang fahren? Es soll doch eine Rundfahrt sein. Sie haben einen Plan von der Altstadt dabei und suchen darauf die Strecke. Fragen? Keine.

Ok, los geht es.

Bamberg_0052Vorbei an dicht gedrängten Fachwerkbauten und winzige Gärten. Was für ein toller Anblick! „Klein Venedig“ nennen die Bamberger die ehemalige Fischersiedlung. Auf der andern Seite der Regnitz erblicken wir den Dom. Weiter schaukeln wir bis zur Kleinschleuse bei Gaustadt, die letzte noch in Betrieb befindliche Schleuse des einstigen Ludwig-Donau-Main-Kanals und werden tatsächlich geschleust, vom Käptn selbst.

Dann schippern wir durch den heutigen Hafen der Stadt. Ein kleiner Hafen. Ruhig geht es hier zu. Auch kleinere Kreutzfahrtschiffe ankern. Wir befinden uns auf der Großschifffahrtsstraße Rhein-Main-Donau-Kanal. Von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer kann man schippern und kommt an Bamberg vorbei. Die anwesenden Nordlichter sind schwer beeindruckt.

Nach immer sonniger und lustiger werdenden 90 Minuten sind wir zurück Am Kranen. Von hier sind es nur wenige Minuten in die Innenstadt. Trotzdem parken wir um in die City-Altstadt Tiefgarage in der Geyerswoerthstrasse. Dort befindet sich die Touristinfo und der direkte Weg in die Altstadt. 14 Uhr startet die nächste Stadtführung. Noch genügend Zeit zu Mittag zu essen.

Bamberg_0061Der Weg führt uns über einen Holz-Stahlgitter-Steg an uralten Gebäuden vorbei. Unter uns die starkströmende Regnitz. Mühlen waren dies einst, Schneid-, Öl-, Schleif-, Hammer- und Walkmühlen. Am Ende des Stegs ist der Eingang zur historischen Altstadt. Das erste Haus ist die Brudermühle. Ein Restaurant und Hotel, dass 1314 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Hier lassen wir uns ein typisch fränkisches Mahl schmecken: Ochsenbrust mit Meerrettichsoße und Klößen. Hmm. Gute Küche.

Zurück an der Touristinfo erwarten uns viele Stadtgäste. 3 Stadtführerinnen bitten um gleichmäßige Verteilung der Rundgänger. Wir schließen uns einer Frau an, die aussieht wir die Gärtnerin selbst: mit bunten Blumen bestickte Bluse, Strohhut mit Blumenkranz, darunter halblange hellblonde Haare und ein selbstbewußtes Gesicht.

Sie führt uns zu einer Stadttafel. Bamberg umfasst die drei historischen Stadtbezirke Berg-, Insel- und Gärtnerstadt, sagt sie. Alle drei gehören zum 142 Hektar großen UNESCO-Welterbe und repräsentieren in einzigartiger Weise eine typische mitteleuropäische Stadt. Gründer und Förderer war Kaiser Heinrich II..
Aha, sie kommt aus der Gärtnerstadt. Früher international beachtet für Blumen und Sämereien.

Dann gehts zur Geyerswörtbrücke. Auf der anderen Seite ist wieder die Brudermühle. Hier ist es wirklich wie in Venedig. Wir stehen direkt neben dem Rathaus Schloss Geyerswörth. Wasserumtost auf einer Insel zwischen dem Alten Kanal und dem linken Regnitzarm ist es heute Sitz des Sozialreferates und weiterer Ämter der Stadtverwaltung Bamberg. Im Innenhof befindet sich ein Freiluftkino.

Die Gärtnerin erklärt uns anhand einer Miniaturskulptur der Stadt dessen Geschichte. Sie liebt ihre Stadt. Und sie kennt sich aus. Gleichzeitig ist sie dankbar, dankbar für die vielen Förderer der Vergangenheit und der Gegenwart. Sie sagt, das Bamberg großes Glück hatte im 2. Weltkrieg nicht zerstört worden zu sein, dass fast alle deutschen Städte noch heute ähnlich Bamberg wären, hätte Hitler nicht diesen Krieg entfacht, wäre am Ende nicht so viel zerstört worden.

Bamberg_0056Dann zeigt Sie uns das Alte Rathaus. Der Sage nach wollte der Bischof von Bamberg den Bürgern keinen Platz für den Bau eines Rathauses gewähren. Deshalb rammten die Bamberger Pfähle in die Regnitz und schufen eine künstliche Insel, auf der sie das Gebäude errichteten.
Ich versuche gedanklich diese List in die Gegenwart zu übertragen. Es gibt da so ein paar wunderbare Flecken Erde … – aber es würde wohl leider nicht mehr funktionieren.

Weiter. Ein paar Treppen runter zum Bachlauf führt uns die Gärtnerin. Hier ist es still. Ist das die berühmte Schleuse 100? Ludwig I. erdachte und erbaute wohl einst einen Kanal von imposanten 172 km Länge, der die Donau bei Kehlheim mit dem Main bei Bamberg verband und dabei einen Höhenunterschied von annähernd 200 Metern überwand. Bei Fertigstellung hatte die Eisenbahn den Transportweg Wasser abgelöst. Technologiefortschritt.

3 Schritte später erreichen wir eine eigenartige rechteckige löchrige Kupferplatte, die parallel zum Erdboden aufgestellt wurde. Sieht irgendwie negativ aus. „Brandmal“ heißt das Kunstwerk, erfahren wir.
Die bodennahe Lichtskulptur soll an die Opfer der unrechtmäßigen Hexenprozesse und Hexenverfolgungen erinnern. Vor allem zwischen 1612 und 1631 war das Hochstift traurige Hochburg der Hexenverfolgungen. In mehreren Wellen wurden rund 1000 Menschen, Frauen, Männer und auch Kinder, grausam gefoltert und ermordet. Es wurde sogar eigens ein Hexengefängnis erbaut.
Auf der beigefügten Tafel steht: „Ihr Leid verpflichtet uns zum Aufstehen gegen Ausgrenzung, Machtmissbrauch, Entwürdigung und jede Art von Fanatismus.“
Die Gärtnerin verzweifelt fast, als sie uns die grausamen Geschichten erzählt. Sie sagt, dass es doch unvorstellbar sei, dem Studium der Schizophrenie zutrefflich, dass die selben Personen von der Kanzel lammfromme Moralpredigten hielten und gleichzeitig unbescholtene Menschen verfolgten, folterten und verbrannten, um an deren Hab und Gut zu gelangen.

Dann kommen wir zum Lieblingsplatz der Gärtnerin, dem Mühlwörth. Links befindet sich wohl ein ausgedehntes Netz von Parkwanderwegen, idyllischen Plätzchen, grünen Oasen. Gegenüber des Flussufers erblicken wir das barocke Wasserschloss Concordia, das heutige Internationale Künstlerhaus Villa Concordia.
Und schon sind wir mitten in der einzigartigen, hervorragenden und an Vielseitigkeit wohl nicht zu übertreffender Kultur Bambergs. Die aufgezählten lohnenden Möglichkeiten würden mindestens 14 Tage Aufenthalt rechtfertigen.

Bamberg_0053Die Regnitz zeigt uns den Weg in das Mühlenviertel. Herrlich verwinkelt, altes Fachwerk und imitiertes neues, funktionierendes Mühlenwerk und viele junge Leute. Hier wohnen die Studenten, erfahren wir. Und schon sind wir umgeben von Fahrrädern. „Bereits im 14. Jahrhundert fanden die Mühlen unter der St. Stephans Kirche ihren Weg in die Überlieferungen in Schriftstücken. Obere sowie untere Mühlen bildeten genossenschaftliche Verbände. Das obere Mühlenviertel war in dem Steinmühlenverband, unteres Mühlenviertel bildete den Brudermühlenverband.“
Aha, daher der Name „Brudermühle“.

Jedes Haus hat andere interessante Details. Bei Einigen ist das Fachwerk derart zusammengesunken, dass man sich fragt, wie das Gebäude noch steht. Aber es ist bewohnt. Hat es so viel Jahrhunderte gehalten wird es doch jetzt nicht einfallen! Also alles sicher, oder?

Bamberg_0041Und dann sind da die vielen Brauereigaststätten. Hier gibt es Bier, dass nach Schinken schmeckt. Und es gibt welches, das nur ein bisschen nach Schinken schmeckt. Was das wohl soll? Na egal, den Touris gefällt es und der Umsatz stimmt.
Die ganze Altstadt ist ein einziges Museum. Ich erinnere mich an die Kindertage, an die Bausteine, mit denen ich Bauernhof oder Stadt gebaut habe. Und genau solche Stadthäuser stehen hier dicht an dicht. Kein Glasbau, keine Sichtbetonwand. Nur eines der Rathäuser passt nicht wirklich dazu. Der Bürgermeister sei Architekt. Oder war es ein hoher Stadtrat? Ein Einflussreicher eben. Nun, es gibt Architekten, die es verstehen, das Alte mit dem Modernen zu verbinden. Und es gibt welche, die es nicht verstehen.

Bamberg_0043Gleich gegenüber war einst Hegel zu Hause. Hegel? Hier? Inmitten der kirchlichen Dominanz?
Dann stehen wir vor dem Dom. Der viertürmige Kaiserdom ist überall in der Stadt sichtbar. Er soll das bedeutendste Kunstwerk im weiten Umkreis sein. Leider sind im Inneren gerade Bauarbeiten im Gange. 7 Reisegruppen unterschiedlichster Sprache versuchen die Baugeräusche zu übertreffen. Es bleibt kein Raum um den Dom zu erfühlen. Wir verlassen ihn, bevor wir ihn wahrgenommen haben.

Bamberg_0044An den Dom schließt sich die Alte Hofhaltung mit ihrem einmaligen Innenhof an und verkündet das Zeitalter der Renaissance des 16. Jahrhunderts. Wir schreiten durch die „Schöne Pforte“ und gelangen in den von Fachwerkbauten umgebenen, romantischen Innenhof. Ich sehe regelrecht eifrige Mönche auf dem Hof, auf den Balkonen, kommen und gehen. Hier klinken wir uns aus der Stadtführung aus, verweilen eine halbe Stunde, um dann den Domplatz zu überqueren und uns den berühmten Rosengarten anzuschauen. Herrlich duftet es hier. Und die Aussicht auf den Michaelsberg und über die Altstadt ist einmalig.

Was für schmale Häuser da stehen. Eng an eng. Teilweise sind die Dächer wie ein Halbmond abgesenkt. Die Dachdecker müssen ihr Handwerk hier noch verstehen, fachsimpeln wir.
Dann lockt uns ein Eis, aber das Ambiente passt so garnicht zum wunderschönen Rosengarten. Dann nicht.

Bamberg_0057Wir laufen bergabwärts in die Inselstadt. Hier befindet sich eine Gastwirtschaft an der anderen, von traditionell fränkisch bis studentisch hip. Dazwischen kleine, individuelle Geschäfte in historischen Häusern und wunderschönen Läden. Was für eine Freude.
Die allüberall gegenwärtigen Handels- und Imbissketten, die Griechen , Asiaten und Türken, so sehr wir diese mögen, sind verbannt aus der Altstadt. In der neueren zentrumsnahen Einkaufsmeile, gleich der Altstadt anschließend haben sie ihren Platz gefunden.

Zurück am Rathaus lassen wir uns dann doch noch ein lecker Eis schmecken, schauen von der Brücke auf das tosende Wasser und beschließen, noch mindestens einmal nach Bamberg zu fahren. Ein Tag ist definitiv zu kurz.

Udo Lindenbergs Abschiedskonzert in Leipzig

Mit Udo Lindenberg erwachsen geworden, seiner Haltung, geradeaus und laut zu sagen, was man denkt, den allgegenwärtigen Gedanken der Menschlichkeit und des Friedens. Klar muss ich dabei sein, wenn er, wie angekündigt, ein letztes Mal in einem Stadion auftritt.

Es ist keine einfache Haltung. Aber Udo hat Sie durchgezogen. Und auch heute, bei diesem Konzert, erinnert er wieder daran. Seine Songs spiegeln dies und seine wieder klaren lauten Ansagen. Das Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt sei und weshalb er eingentlich immer noch singen muss „Wofür sind Kriege da?“?

Neben der gigantischen Show, dem Respekt vor dem 70jährigen Rocker, der da drei Stunden ohne Pause über die Bühne tanzt, wird man auch nachdenklich.

Wir besuchen am nächsten Tag das Völkerschlachtdenkmal. Vor 103 Jahren wurden an dieser Stelle in der Schlacht von den rund 600.000 beteiligten Soldaten 92.000 getötet oder verwundet. Tja, Udo, die Menschen lernen nicht.

Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Die vielen Gründerzeithäuser wurden saniert. Eine schöne Stadt ist das wieder geworden. Unaufdringlich und unterscheidbar. Auffallend ist die überall herrschende Ruhe. Hektik scheinen die Leipziger nicht zu kennen.

Bei der Stadtrundfahrt stellen wir fest, dass wir wohl eine ganze Woche bräuchten, um uns all das anzuschauen, was interessant erscheint. Dazu die vielen kulturellen Möglichkeiten.

Der Mecklenburger See ist gerade 10 Minuten mit der Straßenbahn entfernt. Hier entsteht gerade eine Strandpromenade. Der Badestrand wird schon genutzt, Bushaltestelle, Imbiss, Cafes entlang des Sees, Schiffahrt, Bootsverleih, alles schon vorhanden. Häuser mit Seeblick im Bau. Wir beschließen uns  am nächsten Tag die neue Leipziger Seenlandschaft anzuschauen.

Da wir für die Seenrundfahrt zu spät kommen, fahren wir zu Störmtaler See.

Der Landschtrich war in den letzten hundert Jahren von großflächigem Braunkohletagebauen geprägt. Allein in Espenhaid verschwanden zwischen 1937 und 1996 Magdeborn und 19 weitere Siedlungen für immer.

Ende der neunziger Jahre entwickelte eine Leipziger Künstlergruppe „Kunst statt Kohle“ Kunstobjekte, die mit der Landschaft und ihrer Geschichte in Dialog treten. So entstanden der „Schmetterling“, die „versteinerte Zeit“, die „Sirenen“ und die „Vienetta“, eine auf dem Störmtaler See schwimmende Kirche.
Der Sage nach ist die Stadt Vineta wegen ihrer maßlosen Prachtentfaltung und Prunksucht in einer großen, als Gottesurteil bezeichneten Flut vor rund 1000 Jahren in der Ostsee untergegangen. Das Kunstobjekt mahnt die mit dem Energieverbrauch einhergehenden materiellen und ideellen Verluste an.
Mir sträuben sich die Haare als ich auf den Boden der Kircheninsel schaue. Überall Tafeln: „Dorfname 1382 – 1972″. Der See ist still. Still und klar. Sehr klar. Schade das es nicht etwas wärmer ist. Hier darf man auch einfach ins Wasser springen.

Am Ufer entdecke ich eine Hotelanlage. 4 Sterne sagt der Ortskundige. Auch das Restaurant sei zu teuer für das Gebotene. Mit gefällt das Hotel nicht. Gibt es Alternativen? Verwundertes: „Nö“. Aber dafür Amphibientouren, Surfen und Fliegen mittels Wasserdruck … Man schießt sich hier wohl gezielt auf eine Personengruppe ein.

Im Bistro lass ich mir noch eine typische Spreewälder Kartoffel mit Quark und Lachs schmecken. Mein Schatz isst Bismarckbrötchen. Wir sitzen zwar direkt am Waser, aber es schmeckt nicht wie an der Nordsee. Wir wundern uns, dass keine regionaltypischen Speisen angeboten werden. Ök, die suchen wir dann das nächste Mal.

Avatar wird Wirklichkeit

Jeder kann sehen, wie es den Bäumen geht

Beitrag vom ZDF: Wenn Bäume twittern

In Joachimsthal, 70 Kilometer nordöstlich von Berlin, steht eine „Test-Birke“. Die Wissenschaftlerin will am Rande eines Kongresses in Joachimsthal Kollegen vorführen, wie sie Bäume zum Sprechen bringt. Mit Zauberei habe dies wenig zu tun. „Die Bäume werden einfach mit Messfühlern und Sensoren ausgestattet, die ihre Vitalwerte per WLAN direkt ins Internet senden“, erläuterte sie. „Es funktioniert wie eine Art Fitnesstracker beim Menschen.

„Sie senden ihre Daten ungefiltert raus. Jeder kann so sehen, wie es den Bäumen geht. Das sensibilisiert über Social Media die Menschen“, sagte die Forscherin. „Und sie liefern uns Wissenschaftlern konstant neue Erkenntnisse, wie die Bäume auf zunehmende Hitze- und Trockenheit reagieren“, ergänzte Bolte.

Die Thüringer: Erika und Steffen